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Plain Text Productivity

Ich denke ja immer mal wieder über Reduktion nach. Etwa: Wie kann man Dinge einfacher gestalten, braucht es das wirklich, sind wir schon soweit und - was bedeutet diese Entscheidung für die Zukunft. Sowas ungefähr. Allerdings bin ich nicht der einzige Mensch, den Reduktion irgendwie anmacht (und entspannt), in den letzten Jahren haben immer mehr Menschen die Vorteile einfacher Tools wiederentdeckt. Ob Apps, Workflows oder Problemlösungen – einfache Ansätze bewähren sich meist doch. Sowas wie Klartext. Schlanke Tools und minimaler Wartungsaufwand sind nicht nur effektiv, sondern erleichtern auch den Alltag. Kein Wunder also, dass immer mehr Artikel wie „Ich habe jede To-Do-App ausprobiert und bin bei einer .txt-Datei gelandet“ erscheinen. Denn so wie ich oben beschrieb, ist das einfach klug. Und eine Art von Reduktion.

Seit einer Weile nutze ich z.B. auch wieder einfache Textdateien für Notizen und Aufgaben (in der Software Obsidian, als Markdown, aber Textdateien). Aufgaben notiere ich dabei in einem übersichtlichen Format wie

„- Aufgabeneintrag | Notizen zum Eintrag“.

Da ich immer wieder Dinge optimiere oder überhaupt in eine Art Struktur hieve, verbringe ich viel Zeit mit diesen Notizen. Die Aufgabenlisten können am Ende auch recht komplex werden, aber die Tatsache, dass ich mich nicht um deren Verwaltung kümmern muss, sondern einfach nur aufschreiben kann, was zu tun ist, es erledigen und als erledigt markieren kann, macht alles einfacher. Es gibt nichts simpleres als in eine Textdatei etwas hinein zu schreiben die ich unter CP/M von 1982 oder einem Unix Terminal von 1995 oder auf allen aktuellen Betriebssystemen anschauen und manipulieren kann. Deshalb kann ich diese Notizen und Aufgaben problemlos geräte- und betriebssystemübergreifend teilen, und jeder kann sie sofort öffnen. Erstellen und editieren ist einfach. Speichern ist einfach. Mit anderen teilen ist einfach. Sichern ist einfach. Simpler gehts nicht, kein komplexes Machwerk of death.

Ein Kollege verwendet eine ähnliche Methode mit Klartextnotizen, allerdings speziell für vielbeschäftigte Führungskräfte. Wie ich nutzt er Symbole und kurze Notizen, um Aufgaben sofort zu erkennen, zu verstehen und umsetzbar zu machen. Andere wiederum verwenden Klartext mittlerweile für Tagesplaner, Tagebücher und vieles mehr. So auch ich, in Obsidian. Dann kann die Software, über die reinen Textdateien hinaus, natürlich noch verknüpfen und über Tags Informationen mit einander verbinden, die ursrünglich gar nicht in direktem Zusammenhang standen. Aber am Ende sind das alles Textdateien.

Ein nicht zu unterschätzender weiterer Punkt ist, dass sich die Technologien rasant entwickeln und viele ältere Dateien mittlerweile in Formaten gespeichert sind, die niemand mehr öffnen kann. Klartext hingegen funktioniert auch Jahrzehnte später noch wie zuvor schon angedeutet. Das bedeutet, die Backups sind automatisch zukunftssicher, zumindest in diesem Punkt.

Plaintext ist also eigentlich immer eine gut Wahl, die Zeit, Stress und zukünftige Probleme spart. Plaintext Files sind übersichtlich, zuverlässig und ich habe die volle Kontrolle. Meine Daten bleiben bei mir und sind nicht in der App anderer gefangen, was ich auch schon oft als probematisch deklarierte. Die gesamte aktuelle Welle des Selber-Hostens ist eigentlich ein Teil genau dieser Diskussion.

Ganz einfach.

Ergänzung

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