Complaining is Just Noise
In den lettzen Wochen habe ich mal wieder etwas Einfaches über das Jammern gelernt, was ich aus meiner Zeit beim Bund offenbar vergessen hatte. Als ich mich mit großer mentaler und physischer Anstrengung durch die letzten Tage und Wochen kämpfte (Cabrio-Sache diesdas), kam ich erneut zu demselben Schluss: Jammern ist nur dummer Lärm.
Es löst kein einziges Problem. Es ändert nichts daran, dass die Mobilfunktechnologie in diesem Land rückständig ist, es bringt die Autos im Stau nicht weiter und es verändert auch niemandes politische Ansichten. Es erzeugt nur Lärm, der alle (um mich herum) und mich selbst maßlos nervt.
Und das ist das Problem mit diesem Lärm: Er bringt nichts.
Sam Alaimo schreibt:
„Sich zu beschweren ist der Zustand, in dem man weder in Stille leiden und weiterleben will, noch sterben und von der Last des Leidens befreit sein möchte.“
Diese Definition hat mich, sagen wir mal, erreicht. Denn sich zu beschweren ist dieser seltsame Mittelweg, auf dem wir zwar weitermachen wollen, aber gleichzeitig wollen, dass alle wissen, dass wir damit unzufrieden sind. Und das ist eine Tugend der Deutschen. Scheiß drauf!
Wie Sam es formuliert hat: Wir haben unser Leben von den tatsächlichen Konsequenzen des Jammerns befreit, also haben wir uns daran gewöhnt. Zu sehr daran gewöhnt.
Aber was wäre, wenn wir damit aufhören würden? Was wäre, wenn wir einfach lernen würden, gut zu leiden?
Ich meine damit nicht, sich im Elend zu suhlen. Ich meine damit: „Die Dinge sind schwer, na und?“ Arbeite einfach an dem Problem. Werde hart im Nehmen. Komm schon! Das WLAN ist unzuverlässig. Die Leute vor dir gehen langsam 1. Der miese Kaffee, den du gekauft hast, ist kochend heiß und deine Zunge muss jetzt dafür büßen. Diese Dinge gibt es nun mal. Jammern ändert nichts daran. Oder du wirst brutal, aber das ist gesellschaftlich nicht angedacht, also lassen wir diese Gedanken.
Es gibt da dieses Zitat aus „Frictionless Living“, das mir im Gedächtnis geblieben ist:
„Wir können unsere eigenen schlimmsten Feinde sein. Wir werden wütend und aufgebracht, wenn die Dinge nicht nach Plan laufen. Wir versuchen, das Unkontrollierbare zu kontrollieren. Wir ärgern uns und stressen uns wegen dem, was wir nicht haben oder nicht erreicht haben. Wir beschweren uns. Wir haben nie das Gefühl, genug zu haben oder genug zu sein.“ 2
Genau das ist es. Wir beschweren uns, weil wir versuchen, Dinge zu kontrollieren, die wir nicht kontrollieren können, was dem Weg widerspricht. Wir versuchen, die Welt so zu formen, wie wir sie uns vorstellen, anstatt einfach damit umzugehen, wie sie ist. Und ich weiß wie einfach das gesagt ist und wie schwer es ist das umzusetzen.
Ich lerne, dass die Antwort einfach ist: Schweige und werde widerstandsfähiger. Nicht, weil Schweigen edel oder tugendhaft ist oder dich zu einer Art stoischem Krieger macht, sondern weil es einfach effektiver ist. Wenn sich etwas beheben lässt, dann behebe es. Wenn es sich nicht beheben lässt, warum dann Energie damit verschwenden, sich darüber zu beschweren?
„Genieße die Herausforderung, Schwierigkeiten zu überwinden, die gewöhnliche Menschen zermürben würden … Lerne zu leiden.“
– Mark Twight
Hehe
Die Dinge sind nicht einfach. Das waren sie noch nie. Finde dich damit ab. Leg dir ein dickeres Fell zu. Wie Sam in „Why We Should Suffer In Silence“ sehr klar und eloquent schrieb: Die Frogmen am Omaha Beach haben sich nicht mit Klagen durch das Feuer der Nazis und die Stahlbarrieren gekämpft. Sie litten still und sprengten, was gesprengt werden musste.
Wir stürmen zwar zum Glück noch keine Strände, aber das Prinzip gilt. Klagen rückt das Hindernis nicht aus dem Weg. Handeln schon. Oder Akzeptanz.
Also arbeite ich daran. Jeden Tag. Und es ist verdammt schwer. Ich, wir, haben große Klappen. Wenn ich spüre, wie sich eine Beschwerde in mir aufbaut, versuche ich, mich davon zu lösen und mich zu fragen, ob das irgendetwas löst. Wird das etwas bewirken? Und wenn die Antwort nein ist, dann versuche ich einfach, still zu sein. Entweder finde ich die Lösung, oder ich halte einfach den Mund und komme damit klar.
Ich weiß. Nicht einfach.
Ich habe eine Weile gebraucht, um dahin zu kommen. Als ich einige meiner eigenen Beiträge in meinem alten Weblog durchging und meinen eigenen Blödsinn und meine Tiraden las, ärgerte ich mich über mich selbst. All dieser Lärm. Was sollte das?
Denn Jammern ist letztendlich nur Lärm. Und Lärm bringt einen nicht weiter.
Fußnoten
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Die deutsche Indierockband Tocotronic haben diesem Umstand ein ganzes Lied gewidmet. ↩
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Ich hatte diese Situation neulich mit dem Autoverkauf, als wirklich alles shcief lief, aber manchmal auch schon, wenn ich Dinge geplant habe und diese nicht nach Plan laufen. Es setzt mich unter Druck, es erzeugt Stress. Es ist aber völlig sinnlos. ↩