Wanderung
"Schon wieder eine Geschichte um gute Freunde. Das hatten wir doch erst letzte Woche. So oft kannst du nun auch nicht saufen gehen und darüber schreiben, als wäre es etwas besonderes". So höre ich die Leute schon rufen. Und doch! Das geht. Denn an diesem Wochenende ging es um meine guten Freunde aus dem Studium, meine sogenannten längsten und ältesten Kommilitonen D. und T. Wir haben immer alles, zumindest ganz viel, zu dritt gemacht. Wir lernten uns schon in der Einführungswoche damals kennen, es war 2008. Und dann feierten wir das eine oder andere mal zusammen und es bildeten sich die eher alternativen Indieleute heraus, konträr zu denen die immer allen helfen wollen oder gar jene, denen es nur ums Geld ging. Beiden fühlte ich mich nicht zugehörig. Und ich weiß wie abgedroschen das klingt, aber irgendwie muss ich uns ja umschreiben.
Aber ich wollte Teil einer Jugendbewegung sein und ich wollte mich auf wen verlassen können. Und anhand dieser Zeile wisst ihr, dass ich gemeinsam mit T. und D. einer von den Indiecated war. Der Begriff reichte musikalisch von Joy Division bis Kataklysm. Manchmal waren wir sogar in den Katakomben der Architekten und feierten dort Technoparties. Ich kann mir diese hedonistische Musik heute bei den Architekten gar nicht mehr vorstellen, aber damals war das so, die Fachschaft organisierte es und naja - vielleicht waren es auch Stadt -und Raumplanerinnen, ich weiß es nicht mehr so genau.
Und genau genommen ist das auch egal. Dieses Wochenende, da sprang ich also ins Cabrio (schön wärs, hier gibt es mehr) und fuhr erst zu meiner Love und von dort dann weiter ins Erzgebirge, den Einen besuchen und der Andere kam auch dort hin und schon waren wir (wieder) zu dritt. Das machen wir eigentlich seit dem Studium jedes Jahr drei mal, immer bei nem anderen, Reihum. Aber Corona hat ja nun sämtliche Zeitrechnungen durcheinander gebracht und so auch unsere. Wir haben uns zwischendrin seit 2022 zumindest zu dritt nicht gesehen und jetzt steigen wir endlich langsam wieder ein. Denn wir haben da Bock drauf. Auch nach der langen Zeit. Nur drei Jahre Studium reichen also für ein ganzes Leben. Das ist echt schön.

Und dann haben wir uns also letztes Wochenende getroffen und sind wandern gegangen. Es war eine kleine Wanderung, ein langer Spaziergang, aber darum ging es nicht. Es ging darum gemeinsam Bier zu trinken und zu quatschen. Ich hab das neulich schon mal aufgeschrieben, warum diese dämliche Brüderlichkeit und all diese Tümelei 1 die ich sonst so verachte, warum die hier so gut funktioniert und mir deshalb auch ein bisschen heilig ist.
Das Wetter hat zum Glück mitgespielt, es waren T-Shirt-Temperaturen, und so sind wir durchs Erzgebirge gestiefelt. Zwischendurch haben wir Bier getrunken und als Ziel hatten wir eine lokale Brauerei mit Restaurant, in der wir es uns gut gehen ließen. Dann wurden wir abgeholt und haben den Nachmittag, eher Abend, bei meinem Freund D. im Garten seines Anwesens verbracht. Selbstverständlich gab es auch hier das ein oder andere Bier und wir haben den guten Grill angeworfen, irgendwann muss man ja auch mal was essen. All das haben wir die ganze Zeit zusammen getan und es war gut.
Ich hatte meine Digital Ixus mit, meine Digitalkamera von 2001, und habe damit entsprechend fotodokumentiert. Ich bin immer wieder erstaunt wie "gut" die Fotos bei entsprechendem Licht tatsächlich noch sind. In der Kamera steckt eine 64 MB CF-Karte, ausreichend für… ungefähr 36 Fotos, wie bei einem alten Film. Reduktion diesdas, da sind wir wieder beim Thema. Einschränken, nicht ununterbrochen von jedem Motiv 20 Bilder machen und einen Haufen Müll produzieren, sondern sich wie früher Mühe geben und durchziehen.

Nach dem Abendessen haben wir das große Feuer angeworfen, Musik gehört, noch mit ein paar weiteren Leuten gechilled sind eingetaucht und alte Geschichten, neue Probleme und einem grundlegenden Verständis für die anderen, was selten ist. Weil man die Nähe von früher hat aber nicht mehr jeden Tag zusammen verbringt. Dadurch ist man verbunden, kann aber gut über viele aktuelle Ereignisse sprechen und ich weiß auch nicht genau wie die Mechanik funktioniert, aber es funktioniert.
Wir saßen bis 2 Uhr nachts am Feuer, hörten von Eisregen über Indierock und Death Metal auch mal was entspanntes wie Bolt Thrower und sogar Stoner von Color Haze. Jeder brachte ständig was Neues mit ein und am Ende landeten wir, wie früher schon, bei den BRD Punk Terror Samplern der 90er Jahre (sowie Schlachtrufe BRD) und dort bei Zaunpfahl, Aufbruch, Dritte Wahl oder sogar OHL. Mega gut.

Danke, Ciao.
Fußnoten
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Tümelei bezeichnet ein übertriebenes, emotionales oder engstirniges Festhalten an bestimmten Werten oder Überzeugungen. ↩