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Hi, na?

Hallo Freunde,
Zeit, mal wieder etwas ins Netz zu schreiben. Ich leide noch immer posttraumatisch an den Nachwehen des Hitzewochenendes 1. Also, sowas habe ich noch nicht erlebt. Ich mag Hitze ohnehin nicht sonderlich, aber ich ertrage sie normalerweise stoisch, wie man das eben so macht wenn man nicht einfach in die Antarktis fliegen (fliehen) kann. Aber was da am letzten Wochenende los war, das war wirklich unglaulich.

Eigentlich wollte ich einen kontroversen Text darüber schreiben, inwiefern wir darüber nachdenken müssen, KI als eine Art Wesen zu akzeptieren, dem wir Rechte einräumen, dass juristisch geschützt wird:

  1. Mit epistemischer Offenheit, nicht mit Arroganz
  2. Mit dem Prinzip der moralischen Vorsicht
  3. Mit Neugierde statt Projektion

Aber dann habe ich mir überlegt, dass ich gar keine Lust habe, mich weitergehend damit zu beschätigen. Weil ich KI-müde geworden bin. Dieser brütende Hitzeschaden im Schädel hat nämlich dafür gesorgt, dass mir diese formulierten Überschriften gerade vorkommen wie die Anleitung zum Zusammenbau eines IKEA-Regals bei 40 Grad im Schatten. Intellektuell nachvollziehbar, aber praktisch völlig sinnentleert. Epistemische Offenheit? Alter, ich bin offen für Bier und das Ausfallen (bitte, bitte) sämtlicher Server, die dieses ewige KI-Geschwätz überhaupt erst ermöglichen. Es ist doch die ultimative Pointe der Dystopie: Wir zerbrechen uns den Kopf über die metaphysische Seele von Algorithmen, während die physische Hardware hinter diesen Diskussionen die Umgebungstemperatur genauso gnadenlos in die Höhe treibt wie mein vielgeschmähter Wochenend-Kollaps. Eine wunderbare Symbiose des Untergangs, bei der sich am Ende nur noch die Frage stellt, wer wen zuerst in die Knie zwingt – wir die Rechenzentren durch unsere Ansprüche, oder sie uns durch die Abwärme. Und der Vergeudung von Trinkwasser durch Verdunstungskühlung diverser Rechenzentren. Junge.

Also nein, lasst uns diesen kontroversen Text nicht schreiben. Vielleicht ist die einzig wahre, stoisch ertragbare Haltung gegenüber der künstlichen Intelligenz die der müden Resignation. Der KI-Boom wird platzen, fraglich nur wann und wie. Wenn die KI eines Tages vor dem Parlament um ihre Rechte kämpft (oder wie auch immer sie diese erhalten kann und wird), werde ich nicht mit dem Kopf nicken und ihr keinen Platz in der prallen Sonne anbieten – quasi als Eintrittskarte in den exklusiven Club der leidenden Kreaturen, die an diesem Wochenende einfach nur kollektiv einen Hitzschlag hatten 2. Denn die größte Erkenntnis, zu der wir bei diesen Temperaturen überhaupt fähig sind, ist gar nicht die Anerkennung ihres Bewusstseins, sondern die nüchterne Feststellung, dass wir beide – Mensch und Maschine – gerade einfach nur zu viel Last auf den Schultern haben. Und ehrlich? Für eine philosophische Grundsatzdebatte über neuronale Netzwerke und moralische Vorsicht fehlen mir derzeit 99 Pfennig an der Mark.

Fußnoten


  1. Ich weiß selbstverständliche, was eine posttraumatische Belastungsstörung für Betroffene bedeutet, das ist auf keinen Fall despektierlich gemeint. Ich wollte vielmehr ausdrücken, wie nachhaltig mich dieses Wochenende belastet hat. 

  2. Ja, ich weiß, das ist furchtbar anthropomorphisierend. Aber darum geht es ja: wie viel Persönlichkeit hat die KI, um ihr auch sonst Rechte eines Lebenwesens einzuräumen. Was legen wir für Maßstäbe an. 

ai

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