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Halt Inne, Welt-Affe.

Ich betreibe dieses Weblog ja aus dem Grund, mich mit "Reduktion Meinerselbst und der Art und Weise wie ich lebe", als positiven Aspekt des Seins, auseinanderzusetzen. 1 Klingt völlig Gaga, ist es auch. Aber meine These lautet: hab und besitz weniger, dafür bewusster. Kauf weniger scheiß. Konsumier weniger Müll. Zieh dich aus dem Teufelsrad des Immer-Weiter und Immer-Höher heraus. Richte und vergleich dich nicht mit anderen. Sei dir selbst genug! Vor allem das. (Der Weg)

Und dann lese ich so durch das Netz, eigentlich lese ich nur meine eigene FreshRSS-Instanz und freue mich immer, wenn der "non-commercial"-Ordner dort eine 1 oder 2 anzeigt (also neue Artikel da sind). Und gestern dieser lesenswerte Artikel von Denis, der sich mit KI und der Ambiguitätstoleranz als Teil unseres menschlichen Seins beschäftigt. Und dann noch der andere Artikel (heute war es eine 2) von meinem Internet-Freund Piehnat. Und darauf möchte ich verlinken. Aber nicht ethisch/moralisch und auch nicht mit dem Zeigefinger in irgendeine Richtung.

Sondern einfach nur, wie man sich zweifelsohne legitime, für viele auch recht einfache, aber für ihn unerreichbare Situation wünschen kann. Und es manchmal offensichtlich keinen Weg gibt.

Mir reicht das, um mal wieder Inne zu halten und zu reflektieren, wie gut mir das eigentlich geht. Und wie der Dude nebenan beschissen suffert, obwohl er gar nichts dafür kann. Glück gehabt. Und dann frage ich mich, wie das mit dieser Weltordnung und irgendwelchen Mächten eigentlich so richtig funktioniert und naja… Ich frage mich das seit 2012 auch jedes Jahr wenn ich bei meinem Freund Helge am Grab stehe. Es gibt aber keine Antwort. Es gibt keine Hilfe. Gott rettet nämlich leider immer nur den König. Gott rettet aber niemals uns.

Dass ich so dystopisch bin, das versuche ich mir oft aktiv abzugewöhnen. Ich reflektiere und möchte eigentlich weder zynisch noch negativ sein. Aber ich bin es. Beides. Jeden Tag. Galgenhumor, sagen die Leute. Eine Schutzmauer, denke ich. Und dann aber kommt Piehnat mit diesem Text um die Ecke und trifft mich hart. Ich kann ihm nicht helfen. Ich kann auch nicht für ihn Fahrrad fahren. Er ist ungefähr so alt wie ich. Aber er sitzt definitiv beschiss'ner in dieser Welt als ich. Durch Zufall, am Ende ist das alles Zufall. Willkommen bei der Genlotterie 2.

Man möchte dann irgendwas Tröstendes schreiben. Irgendeinen schlauen Satz finden, der das Ganze abfedert oder eine Moral druntersetzt. Aber es gibt keinen schlauen Satz. Jedes „Kopf hoch“ wäre ein Hohn, jede tiefere Sinnsuche eine Anmaßung.

Manchmal bleibt einfach nur das Aushalten dieser Ohnmacht. Das Wissen darum, dass da draußen jemand kämpft, während man selbst durch die Sonne fährt. Und die stille Erkenntnis, wie verdammt kostbar ein ganz normaler, unspektakulärer Montag an einem Mittwoch ist.

Fußnoten


  1. Dabei geht es oft um meinen eigenen Platz in der Welt. Um meinen Weltschmerz. Um all die Scheiße, die jeden Tag durch alle möglichen Kanäle über einen herein bricht oder, zumindest auf einen herunter, tropft. 

  2. Wie dereinst Wolfgang Herrndorf konstatierte, als bei ihm ein Glioblastom Grad IV diagnostiziert wurde. 

thoughts, reducing, freunde

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