Unsinnlichkeit
Manchmal sitze ich nachts noch da, ich trinke nicht, ich rauche nicht, aber ich höre Jazz und es ist schon spät, selbst die Katzen schlafen. Und ich blicke auf den kugelrunden Mond - der wie eine Mahnung die Insassen der Artemis 2 empfängt. Die sich dieser Tage auf den Weg gemacht haben, den Erdtrabanten zu umrunden, und fühle bekümmernde Unendlichkeit.
Was soll das alles? Wie werden wir bessere Menschen? Was hinterlassen wir den Kindern dieser Welt - mit dieser Welt?
All diese Fragen wiegen schwerer wenn die Nacht am dunkelsten, wenn das Licht versiegt und nur noch Gedanken übrig bleiben. Kein Rausch, kein Lärm, nur Jazz, der wie ein ferner Puls durch den Raum zieht, während draußen der Mond steht, unbeirrbar, vollkommen gleichgültig gegenüber allem Irdischen. Und irgendwo da draußen, jenseits dieser vertrauten Nacht, kreisen Menschen um genau dieses Licht – als wollten sie beweisen, dass wir mehr sind als das, was wir hier zurücklassen. Aber gerade in diesem Moment fühlt sich alles kleiner an, nicht größer.
Vielleicht liegt die Beklemmung darin, dass Fortschritt und Sinn nicht dasselbe sind. Wir können den Mond umrunden (oder besuchen, sagen manche), Systeme bauen, Signale senden – und gleichzeitig bleiben die Fragen unbeantwortet, die keinen Orbit kennen: Wie wird man ein besserer Mensch, wenn man sich selbst kaum versteht? Was bedeutet es überhaupt, etwas zu hinterlassen, wenn die Welt, die wir weitergeben, selbst brüchig wirkt?
Es ist, als würden wir immer weiter hinausgehen, nur um dem auszuweichen, was wir hier nicht lösen.
Gedanken werden dichter, ehrlicher, vielleicht auch schonungsloser. Aber genau darin liegt etwas Unausweichliches: Dass wir diese Fragen überhaupt stellen, könnte der eigentliche Anfang sein. Kein Wochenstart im klassischen Sinn, kein Montagmorgen – sondern ein innerer Moment, in dem man erkennt, dass Veränderung nicht irgendwo da draußen beginnt, sondern genau hier, in dieser stillen, dunklen Stunde. Bei mir.